Rettungsdienst | ASB-Drohnenteam

Bilder aus der Luft helfen den Rettern am Boden

Vermisste Personen in Innenstädten oder Industrie-Gebieten aus der Luft aufspüren, Wasserflächen und schwer zugängliche Waldgebiete absuchen, Verletzte auffinden - das sind Fälle, in denen unsere beiden Drohnen ihre Stärken am Einsatzort erweisen. Ausgebildete ASB-Spezialisten bedienen sie.

Vogelperspektive gebraucht? Diese „Kollegin“ kann helfen, Menschenleben zu retten. Stabile Lage selbst bei Wind, sechs Rotoren, integrierte Weitwinkel-Kamera für hochwertige Fotos in Echtzeit - das zeichnet unsere Drohne aus. | Bildnachweis: ASB Karlsruhe

Jederzeit alarmier- und einsetzbar - und gesondert finanziert

Das Drohnenteam ist über die Integrierte Leitstelle Karlsruhe alarmierbar, aber auch in ganz Baden-Württemberg einsetzbar. Es kooperiert und steht in Austausch mit anderen Drohnenteams wie dem des ASB Mannheim / Rhein-Neckar. Auch konzertierte Übungen gehören dazu.

Unterhalt, Bereitstellen der Technik sowie Ausbildung und Training der "Drohnenpiloten" trägt der ASB Karlsruhe aus Eigenmitteln, unterstützt durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. 

Rechtliche Grundlage und Wirtschaftliche und logistische Vorteile

„Wenn man bedenkt, wie hoch die Kosten für einen Hubschrauber pro Minute sind, macht die Erkundung größerer Areale mittels Drohne auch aus wirtschaftlicher Sicht Sinn“, gibt der ehrenamtliche Vorsitzende des ASB Region Karslruhe Christoph Nießner zu bedenken. Als Leitender Notarzt für die Stadt Karlsruhe und Landesarzt des ASB verfügt er über jahrelange Erfahrung in der Notfallrettung. 

Gefahrenschwerpunkte aus der Luft frühzeitig finden und „Schadensherde“ identifizieren, ohne dass sich die Einsatzkräfte selbst in Gefahr bringen müssen - das sind einige Vorteile der Technik.

Die ASB-Drohne im Portrait 

Bei den Drohnen handelt es sich um Hexacopter Yuneec H520. Hier ihre Eigenschaften und Bestandteile:

  • Rotoren | Sechs Rotoren sorgen für eine besonders stabile Lage in der Luft und ermöglichen einen sicheren Einsatz selbst bei Wind bzw. dann, wenn ein Rotor wider Erwarten ausfällt.
     
  • Integrierte Weitwinkelkamera | Sie ermöglicht hochwertige Fotos mit bis zu 20 Megapixeln; Videos werden mit einer Auflösung von 4K aufgenommen.
     
  • Wärmebild- und Restlichtdualkamera | Die Wärmebildkamera zeigt relative Temperaturunterschiede an. Mithilfe der Restlicht-Kamera sind dank 20fach erhöhter Lichtempfindlichkeit gegenüber dem menschlichen Auge auch bei schlechten Lichtverhältnissen noch hervorragende Aufnahmen möglich - wichtig für die Suche nach vermissten Personen selbst bei Nacht und Nebel.
     
  • Bodenstation | Die Bilder des Fluges lassen sich in Echtzeit auf einem Bildschirm verfolgen – dazu dient die Bodenstation mit einer HD-Auflösung von 720 Pixeln.
     
  • Flugzeit | Wird während des Fluges permanent gefilmt, beträgt sie bis zu 28 Minuten, mithilfe von Reserve-Akkus auch etwa 1,5 Std. Fällt der Akkustand auf ein für den Flug zu geringes Niveau, kehrt die Drohne automatisch zur Bodenstation zurück.

Erfogreiche Praxis-Beispiele 

Großveranstaltung: Während des Lichterfests im Karlsruher Zoo und im Stadtgarten nahm das Team testweise Bewegungen von Menschenmengen in den Blick. Der Gedanke dabei: Ist Not am Mann, können Retter gezielt helfen.

Verkehrsunfall: Auf der Suche nach einem vermissten Kind, das man beim verunglückten Fahrer vermutet hatte, unterstützte die Drohne die Rettungskräfte in unwegsamem Gelände entlang von Bahngleisen nachts im Albtal.

Großbrand: Die Drohne entpuppt sich als gute "Brandwache". Nach einem Brand in Graben-Neudorf half unser Drohnen-Team Glutnester aufzuspüren - von oben, durch den durchgebrannten Dachstuhl. 

Diese Ansicht aus 30 Metern Höhe verdeutlicht, wie eine Drohne auch bei großen Schadenslagen helfen kann. Binnen kurzem erhalten Rettungskräfte den Überblick über eine große Fläche. | Bildnachweis: ASB Karlsruhe

D r o h n e n | Rechtliche Grundlage

Was früher außerhalb militärischer Einsatzfelder als technische Spielerei galt, kann als Instrument mittlerweile die Notfallrettung und den Bevölkerungsschutz sinnvoll ergänzen. Hilfsorganisationen ist es inzwischen erlaubt, Drohnen ohne Sondergenehmigung der Luftfahrtbehörden einzusetzen. Grundlage dafür ist die neu geregelte Drohnen-Verordnung durch den Bund im April 2017.


"Die Drohnen erkunden gefahrlos
das Terrain und schützen
damit die Rettungskräfte zum Beispiel bei Bombenfunden, Brand- und Räumungs-Einsätzen."

Daniel Groß
ASB Region Karlsruhe | Geschäftsführer


Stärken im Einsatz 

Wie das "Unmanned Areal Vehicle" - so der Fachbegriff für das ASB-Fluggerät - den Rettungsdienst unterstützt, zeigen folgende Punkte:

  • Mit Hilfe der Nachtsichtkamera kann das Drohnen-Team unwegsames Gelände erkunden oder hinter eine hohe Mauer spähen. Niemand muss sich dafür unnötiger Weise in Gefahr begeben. 
     
  • Mit Hilfe der Wärmebildkamera lassen sich Personen, die sich zum Beispiel im Wald oder einem unwegsamen Gelände verirrt haben, aus der Luft aufspüren. Das macht sich vor allem im Winter bezahlt, wenn die Bäume kein Laub tragen.
     
  • Auch am Wasser, an einem Fluss oder auf einem See, muss sich zunächst niemand in Bewegung setzen bzw. in Gefahr begeben: Die Drohne verschafft - sofern kein Schnee fällt oder der Wind zu stark weht - rasch den Überblick über das fragliche Terrain.
     
  • Bei Events ermöglichen es die Bilder aus der Vogelperspektive, Ströme in einer unübersichtlichen Menschenmenge zu beobachten und gezielt zu helfen. Eine weitere Einsatzmöglichkeit sind Sport-Veranstaltungen mit dynamischer Entwicklung wie Radrennen.
     
  • Bei Großschadenslagen liefern die gewünschten Luftaufnahmen ein Lagebild und sorgen für Klarheit unmittelbar am Einsatzort. 

Drei Spezialisten - plus "Kollegin" Drohne

Das Drohnenteam besteht aus drei Personen. Ein Pilot steuert die Drohne. Ein Beobachter (Auswerter) verfolgt das gelieferte Bild am Monitor, der Bodenstation. Und eine Führungskraft hält den Funkkontakt zur Einsatz-Zentrale.

Neben zwei Drohnen steht dem Team ein Gerätewagen mit technischem Material, ein Einsatzleitwagen (ELW), ein Kommandowagen, zwei Krads sowie zwei All Terrain Vehicles (ATV / Quads) zur Verfügung.