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Das ASB-Josefshaus antwortet auf die Frage: Wie feiert man eigentlich ein Pflegezentrum?

Bewegt, bunt, offen – unter dieses Motto hat das ASB-Josefshaus in Ubstadt-Weiher mit seinen mehr als 60 Bewohnerinnen und Bewohnern und ebenso vielen Mitarbeitenden die ersten 10 Jahre seines Bestehens gestellt.

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„Das Josefshaus gehört zu Ubstadt“, sagt Leiter Kurt Stahl selbstbewusst und er ergänzt: „Der Arbeiter-Samariter-Bund ist mit der Gemeinde auf vielen Wegen tief verbunden und mit engagierten Menschen auf viele Arten gut vernetzt.“

Aktivitäten im Festjahr

Doch wie feiert man das? Sandra Hotz, die Pflegedienstleiterin, und Kurt Stahl, der Leiter des Josefshauses, haben sich Schritt für Schritt an eine Antwort gemacht.

Kurt Stahl: „Als erstes wollten wir das Jubiläum sichtbar machen und Flagge zeigen. Also haben wir eine Fahne anfertigen lassen und sie vor dem Haus gehisst. Dann hat sich unser Hausmeister Hammer, Säge, Holz und Nägel geschnappt. Und da steht sie, die Sitzgruppe für die Muße­stunden, die unsere Bewohnerinnen und Bewohner so gerne vor dem Haus verbringen.“

Und weiter? „Dann kamen die Wellnesstage für die Kolleginnen und Kollegen, die hier schließlich jeden Tag aufs Neue für das Wohl der Senioren sorgen“, so Stahl. „Und dann“, ergänzt Sandra Hotz, „haben wir mit Blick auf alle, die mit ihren Beiträgen das Leben im Haus bereichern, auch unseren Festakt geplant." Am Samstag, 30. Juni, war es dann so weit.

Professionelle Pflege und gelebte Menschlichkeit

Das Pflegezentrum in Ubstadt steht unter der Obhut des ASB e.V. Region Karlsruhe. Aus Sicht von dessen Geschäftsführer Dr. Andreas Bröker spricht vieles für „das familiär geführte Haus mit dem gemütlichen Bänkle davor: Es geht lebhaft zu im Josefshaus, der Ortskern ist nah, genauso auch viel Grün. Und alle unsere Kolleginnen und Kollegen stehen mit dem Herzen am richtigen Fleck für die professionelle Pflege der Menschen hier in Ubstadt ein. Wenn ich ins Haus komme, und das tue ich gerne so oft es geht, spüre ich die Gemeinschaft und die Atmosphäre jedes Mal sofort.“

Für eine Kollegin, von Beginn seit 2008 an im Josefshaus tätig, ist genau das das Ziel. Elke Weser-Hoffmann, examinierte Pflegefachkraft, sagt: „Wir sorgen emsig dafür, dass alle, bei den Bewohnern angefangen, die bei uns sind oder als Besucher zu uns kommen, sagen: ‚Ja, hier würde ich mich selbst im Alter auch wohlfühlen‘. Meine Beobachtung ist: Das tun sie, ob Ärzte, Angehörige oder Vertreter aus der Gemeinde“. Weser-Hoffmann leitet im Josefshaus die Soziale Betreuung, für die insgesamt sieben Mitarbeiterinnen zuständig sind.

Verbunden mit Anderen festlich feiern

Für den Festakt im Haus mit Kollegium, Bewohnern, Angehörigen und zahlreichen Gästen hat Linda Ehrlich die Adressen für die Einladungen zusammengestellt. Sie staunte sehr: „Da wurde mir bewusst, in wie viele Richtungen das Josefshaus vernetzt ist“, sagt die ASB-Mitarbeiterin, die das Pflegezentrum in Ubstadt im Büro unterstützt.

Kurt Stahl, der Leiter, erklärt: „Unsere Lieferanten gehören dazu, die vielen Akteure im Gemeinderat und bei der Stadt, ebenso die vielen Menschen, die uns ohne Amt oder Funktion verbunden sind.“ Nach kurzem Nachdenken ergänzt er: „Das macht schon stolz zu sehen, dass die Weiherer Straße mit der Hausnummer 11 bei so vielen eine offenbar gern gesehene Adresse ist.“

Das Pflegezentrum nimmt für sich in Anspruch, „das Leben stets auf neue Weise ins Haus zu holen“, wie Kurt Stahl es formuliert: „Und das Schöne ist: Vieles kommt ganz von selbst, wir sind ja schließlich auch offen dafür. Heim? Weit gefehlt. Belebtes Zuhause: ja. Und da, wo nötig und gewünscht natürlich auch Ruhe- und Rückzugsraum.“

Zum bunten Leben gehören zwei Mal im Monat das unter Senioren weithin beliebte Bingo sowie die Dehn- und Bewusstseins-Übungen einer Thai-Chi-Lehrerin – ebenso Ölbilder und Lithographien, die die Mitglieder der Künstlervereinigung „Bunter Hund U Weiha e.V.“ aus Ubstadt-Weiher wiederholt im Haus ausstellen. In den Genuss von Wellness-Tagen kommen regelmäßig auch die Bewohner: Hand- und Fußmassagen sowie Fingernägel lackieren gehören dazu. Gemeinsame Videoabende – Beispiel: die Sissi-Trilogie oder das Rührstück „Der kleine Lord“ in der Version von 1938 – sind Teil des Programms.

„Unser Heimbeirat“, so Kurt Stahl, „kümmert sich konstruktiv um alles, was den Alltag betrifft. Das bedeutet im Klartext: Sollte bei den Themen Reinigung, Versorgen mit Wäsche oder Essen einmal eine Unzufriedenheit aufkommen, erfahren wir das gleich und reagieren. Das haben wir Elisabeth Herzog und den in dem Gremium Mitwirkenden zu verdanken.“ Eine eigene Hauszeitung spiegelt Monat für Monat das Geschehen im Haus wieder, unterhält und informiert die Bewohnerinnen und Bewohner.

Das Haus ist zudem eine Adresse für Kursbesucher: Das Team der Erste-Hilfe-Ausbildung des ASB Karlsruhe nutzt dessen Räume und bietet neben Grundlehrgängen Fortbildungen für unterschiedliche Zielgruppen sowie Kurse in Erster Hilfe bei Kindernotfällen. Bereits seit Januar 2017 verkürzt der Arbeiter-Samariter-Bund so für viele interessierte Ersthelfer in der Region die Wege zum breiten Kursangebot des ASB.

Bewegt von vielen „guten Geistern“

Jede Woche kommen derzeit acht Helferinnen an mindestens einem Tag in der Woche in das Pflegezentrum: Sie lesen Bewohnern vor, gehen mit ihnen spazieren oder begleiten sie zu kleineren Einkäufen oder zum Arzt, ehrenamtlich. Finden Feste oder Veranstaltungen innerhalb wie außerhalb des Hauses statt, nehmen die Damen ebenfalls teil und stehen den Bewohnern begleitend zur Seite.

„Es tut gut zu sehen“, meint Kurt Stahl, „dass ‚gute Geister‘ von sich aus zu uns kommen und das Pflegezentrum so selbstverständlich als Teil der Kommune, der Gemeinde sehen! Wer fit ist, hilft dem, bei dem die Kräfte nachlassen – das sind, jenseits der selbstverständlichen Handreichungen durch unser Team, schöne Gesten.“

Das Josefshaus lädt die Freiwilligen zwei Mal im Jahr zum gemütlichen Beisammensein und zeigt sich so für das Engagement erkenntlich – „ein Beitrag, der das Zusammenleben bereichert und den alle im Alltag spüren“, wie der Leiter Kurt Stahl sagt. Die Geladenen nutzen die Gelegenheit zum zwanglosen Austausch gern. Wer den Kreis erweitern möchte, ist jederzeit herzlich willkommen.

Ein Projekt von Schülern einer Klasse 7 der Realschule am Ort – Motto „Mitmenschlichkeit“ – sowie die Ende 2016 absolvierten Praktika mehrerer Jugendliche im Haus reihen sich in das Bild eines Pflegezentrums, das mit dem Umfeld eng verwoben ist.

Offen auch für ernste Themen

Wie können Angehörige einem Schwerstkranken/Sterbenden helfend zur Seite stehen? Wer unterstützt und entlastet Angehörige in dieser herausfordernden Lebenssituation? Welchen rechtlichen Anspruch definiert das Hospiz- und Palliativgesetz von Dezember 2015? Welche Hilfen bieten z.B. Krankenhäuser, Pflegeheime und Hospize im Landkreis Karlsruhe, um Betroffene zu versorgen? Um solche Fragen ging es beim Themenabend für Angehörige im Juni mit der Frage: „Palliativ - was nun?“

Neben dem ASB-Josefshaus als Gastgeber war der Ökumenische Hospiz-Dienst Bruchsal e.V. (ÖHD) mit seinem Förderverein (FÖHD) Mitveranstalter. Als Referentin war Claudia Kraus geladen. Sie leitet den ökumenischen Hospizdienst in Bruchsal. Für die Fragen der 12 Besucher hatte auch Andrea Engler ein offenes Ohr. Sie ist ehrenamtliche Hospizbegleiterin. Fazit: Der Informationsbedarf ist groß, weiterer Austausch zu diesem komplexen Thema ist gewünscht – ein zweiter Teil in dieser Veranstaltungsreihe folgt. Der Schwerpunkt wird dann auf den praktischen Möglichkeiten liegen, die Angehörige in einer solchen Situation haben.

Was sagen MDK und Prüfdienst?

Neben dem „guten Spirit“, der laut ASB-Regionalgeschäftsführer Dr. Andreas Bröker im Josefshaus herrscht, achtet der Wohlfahrtsverband als Träger freilich auch darauf, „dass in punkto Audits alles stimmt“, so Bröker, promovierter und diplomierter Wirtschaftsingenieur. „Die Noten, die der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) und der Prüfdienst des Verbandes der Privaten Krankenversicherung e.V. dem Haus im Mai gaben“, so Bröker, überzeugen – und das zum wiederholten Mal.“ Die unangekündigten Qualitätsprüfungen erfolgen gemäß Pflegeversicherungsgesetz seit 2011 jährlich.

In punkto „Pflege und medizinische Versorgung“, der ersten Kategorie, in der bis zu 32 Kriterien angelegt werden, heimste das Josefshaus ein „sehr gut (mit 1,1) ein. In den drei weiteren Kategorien „Umgang mit demenzkranken Bewohnern“, „Betreuung und Alltags-Gestaltung“ sowie „Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene“ mit jeweils bis zu 9 Kriterien gaben die Prüfer ein „sehr gut (1,0)“. „Sehr gut (1,0)“ lautet dementsprechend das rechnerische Gesamtergebnis. Ebenso kam die obligatorische „Befragung der Bewohner“ durch die externen Prüfer auf das Resultat „sehr gut (1,0)“.

Und wie weiter? Stärken ausbauen, weiter vernetzen

Doch Kurt Stahl hat mit Blick auf die nächsten zehn Jahre schon weiter gedacht. Seine Idee, ganz in der Logik des Pflegestärkungsgesetzes III: „Wir werden einiges daran setzen, die Menschen in Ubstadt optimal am Wohnort bzw. wohnortnah versorgen zu können.“

Andreas Bröker in Karlsruhe ergänzt: „Das heißt, dass wir die Stärken und das Portfolio des ASB in Ubstadt und für Ubstadt weiter ausbauen – jeweils so, dass es für jeden in jeder Lebenssituation passt, und das mit vernetzten Angeboten in der Gemeinde, bis hin zu einem Begleiten von Menschen in der letzten Lebensphase, Stichwort: Palliative care. Das gelingt nur in Kooperation mit allen am Pflegeprozess beteiligten Personen- und Berufsgruppen, Mitarbeitenden, Haus- und Fachärzten, Heilberufen und den vielen Dienstleistern.“


Zu unseren Fotos:

01 | Zehn bunte Jahre: Die feiert das Team im ASB-Josefshaus mit viel Mut zur Farbe. Dominik Krieger, Auszubildender in der Altenpflege, spielt mit der „0“ auf das Jahr 2008 an. Kurt Stahl, Leiter des Pflegezentrums in Ubstadt-Weiher, hält die „1“ von 2018, dem Jubiläums-Jahr, fest in der Hand.

02 | Zeit zum Plausch: Unser Foto zeigt den Bürgermeister von Ubstadt-Weiher, Tony Löffler (weißes Hemd, rote Krawatte), umrahmt vom evangelischen Pfarrer Gerald Koch links, dem katholischen Pfarrer Christian Erath rechts bei der Josefshaus-Matinee am 30. Juni. Im weißen Hemd ist Jürgen Becker vom Vorstand des ASB e.V. Region Karlsruhe zu sehen.

03 | Bewegt von Bläserklang: Zum Fest am 30. Juni war ein Orchester in das Josefshaus geladen. Der Musikverein "Echo" Ubstadt 1921 e.V. hatte diese jugendliche Delegation an der Weiherer Straße 11 geschickt – sehr zur Freude der Musik begeisterten Senioren.

04 | Musik, die anspricht: Diesen beiden Bewohnern ist anzusehen, dass die Bläserklänge als Programmpunkt der Matinee am 30 Juni gut gewählt waren. Singen und Josefshaus – das sind Synonyme: Täglich erklingt irgendwo ein Lied. Einmal wöchentlich gibt es Etagen übergreifend Musik zum Mitsingen. Betreuungskräfte wie Ehrenamtliche helfen dabei.

05 | Gruppenbild mit Dame: Wie für ein Selfie haben sich die vier Altenpflege-Fachkräfte und -Schüler des ASB zu der von ihnen geschätzten Bewohnerin gesellt. Freude strahlend bilden den Rahmen für eine der vielen schönen Impressionen der Josefshaus-Matinee am 30. Juni.

06 | Entschlossen zur Kooperation: Dr. Andreas Bröker, der Geschäftsführer des ASB e.V. Region Karlsruhe, wandte sich vor Publikum auch an die Gemeinde. Alle am Pflegeprozess Beteiligten könnten die Angebote gemeinsam so gestalten, dass sie für jede Lebenssituation am Ort passen, so eine Botschaft seiner Rede am 30. Juni im Josefshaus.

07 | Dem Haus verbunden: Einmal monatlich singt Gertrud Rothschmidt (rechts im Bild) aus reiner Lust und Laune mit den Bewohnern. Elke Weser-Hoffmann heißt die ehrenamtliche Freiwillige seit vielen Jahren im Josefshaus willkommen. Weser-Hoffmann ist examinierte Pflegefachkraft und leitet die Soziale Betreuung in dem Pflegezentrum.

08 | Einmal hierher, bitte: Von mehreren Kameras gleichzeitig überrascht schauen Kurt Stahl, Leiter (links), und Sandra Hotz, Pflegedienstleiterin des Hauses (rechts), in unterschiedliche Richtungen. Mit dabei: Harald Hauswirth (blaues Jacket) und Jürgen Becker (weißes Hemd) vom Vorstand sowie Dr. Andreas Bröker, Geschäftsführer des ASB e.V. Region Karlsruhe.

09 | Raum für Gespräche: Gäste und Gastgeber genossen das schöne Wetter auf der Sonnen beschienenen Terrasse. Links steht die Familie einer Bewohnerin im Austausch mit dem katholischen Pfarrer Christian Erath. ASB-Regionalgeschäftsführer Dr. Andreas Bröker griff mit Bürgermeister Tony Löffler (rechts) die positiven Signale aus dessen Rede auf.

10 | In voller Pracht: Den neuen Sonnenschutz für ihre Terrasse haben die Bewohner des ASB-Josefshauses der Gemeinde Ubstadt-Weiher zu verdanken. Das Geschenk ersetzt gleich zwei alte Schirme und spendet den Senioren seit der Matinee am 30. Juni Schatten.

11 | Teil des Kraichgaus: Der Blick von der Balustrade im ersten Stock verdeutlicht, wie nah das Josefshaus der Kulturlandschaft rund um Ubstadt-Weiher ist. Dabei profitiert das Haus des Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) von der unmittelbaren Nähe zum Gemeinde-Geschehen.

12 | Mit offenem Ohr: Elisabeth Herzog (Mitte) vom Heimbeirat im Josefshaus, Leiter Kurt Stahl (links), und Pflegedienstleiterin Sandra Hotz freuen sich über das herzliche Miteineinander. Dominik Krieger ist als Azubi in der Altenpflege Teil des Teams des ASB e.V. Region Karlsruhe in Ubstadt-Weiher.

13 | Kunst im Treppenhaus: Ölbilder wie dieses gehören zum Ensemble der Werke, die die Künstlervereinigung „Bunter Hund“ regelmäßig im ASB-Josefshaus ausstellt. Für Kurt Stahl, den Leiter des Hauses, und Sandra Hotz, die Pflegedienstleiterin, ist die Offenheit für das soziale Leben in Ubstadt-Weiher gelebte Selbstverständlichkeit.

14 | Ein geschätzter Ruhesitz: Die Sitzgruppe, gezimmert von Hausmeister Dirk Thews (vorne), taufte man „Baum-Bänkle“. Sandra Hotz ist Pflegedienstleiterin, Dominik Krieger (hinten) lernt im Josefshaus des ASB e.V. Region Karlsruhe den Beruf des Altenpflegers.

15 | Mit offener Tür: Seit nun mehr zehn Jahren heißt das ASB-Josefshaus in Ubstadt-Weiher Menschen im Alter willkommen. Das Pflegezentrum des Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) empfiehlt sich als gemütliches und zugleich weltoffenes Zuhause.