Baden-Württemberg e.V. Region Karlsruhe

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Großer Anklang beim Auftakt in Bretten | Samstag, 27. Juli 2019

Mehr als 500 Menschen nutzten den Tag der offenen Tür, um sich ein Bild vom Neubau des ASB Karlsruhe in Bretten zu machen. Kurzerhand setzten die Teams von Seniorenresidenz und Tagespflege weitere Führungen an. Protokoll eines Tages, der vielen im Gedächtnis bleiben wird, mit herzlicher Festtagsstimmung – bei Kaiserwetter und mit Kaisertuba.

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Es ist Punkt elf, als der Klang der Bläser im Hof durch die offenen Fenster ins dritte Stockwerk dringt. Wer gerade noch gemütlich auf einem der dunkelroten Sessel hier oben saß, steht nun neugierig auf. Vom Balkon aus sind unten der Dirigent mit Taktstock und die Holzbläser zu sehen. Die anderen Musiker der Stadtkapelle sitzen unter Schirmen oder einem großen Pavillon.

Unterdessen bringt der Aufzug immer mehr Menschen hinauf. Sie erkunden die Zimmer („hübsche Bettwäsche“), den großen Aufenthaltsraum von Wohnbereich 3 („einladend“) und testen die Aussicht Richtung Altstadt und Saalbach („toller Blick aufs Grün“). Viele wollen wissen, warum von der nahen Wilhelmstraße „so wenig Verkehr zu hören“ ist.

Ein Architekt vom Ort ist unter den Gästen. Er zollt den Planern Respekt: Vorgelagerte Balkons dämpften den Schall, der Bauplatz sei „optimal genutzt“ und der Innenhof „für alle zugänglich“ angelegt. Und die zentrale Lage des Neubaus – ein Alleinstellungsmerkmal?

Die Frage steht im Raum. Ansgar Sailer, der Dirigent der Stadtkapelle, spricht sie indirekt an: „Die Menschen, die hier wohnen werden, können teilnehmen am gesellschaftlichen Leben“, sagt er später in einer Spielpause. Im Alter in der City zu leben sieht er als Vorteil. Eine Hamburgerin, die seit 40 Jahren in Bretten lebt, findet es „gut, dass hier eine Tagespflege hinkommt, man weiß ja nie“.

Für Menschen aus Ubstadt, Saarbrücken und Wilhelmshaven

Neben der Vorsorge ist in anderen Fällen akute Not der Grund für den Besuch. Eine Frau aus Ubstadt zuckt mit den Schultern, während der Pulk, dem sie sich angeschlossen hat, sich in einem Zimmer umschaut: „Ein halbes Jahr Wartezeit, vielleicht ist Bretten eine Alternative für meine Eltern.“

Auf dem Gang steht ein Paar mit Kind auf dem Arm. Das Fest des ASB „für Jung und Alt“ mit Kinderschminken und Glücksrad: Ist das der Grund, warum die Familie gekommen ist? Weit gefehlt. Der Opa solle statt im Heim in Saarbrücken lieber hier gepflegt werden, sagt sie. „Wir leben in Rinklingen“, fügt er hinzu.

Heimfürsprecher und Fachpersonal aus anderen Einrichtungen mischen sich unter die Besucher – der Andrang: groß. Um 10:30 Uhr stehen die Menschen dicht an dicht. Kurzerhand setzt das Orga-Team parallele Führungen an.

Nicole Hauschild vom Team Soziale Dienste & Qualitätsmanagent im ASB-Landesverband unterstützt die ASB-Kollegen der Region. Sie lächelt und ruft dann ins Foyer hinein: „Die eine Gruppe fährt mit mir hoch, Herr Stahl beginnt in Wohnbereich eins!“ - „Hier entlang bitte“, ruft der und winkt mit dem Arm. In Ubstadt leitet er das Haus, aus dem die Leiterin von Bretten stammt. Im ASB-Pflegezentrum Josefshaus war Sandra Hotz die Pflegedienstleiterin, hier ist sie die Leiterin.

Rückblick auf den Moment zwei Minuten vor Beginn: Um 09:28 Uhr ahnt sie noch nichts von dem Ansturm, der später kommt: Eine Frau aus Wilhelmshaven, die seit langem in der Nähe wohnt, und will sich als erste ein Bild vom Haus und von der Pflege machen. „Und die Zimmer sind alle so in der Art?“, fragt sie. „Ja“, sagt Sandra Hotz, die Komfortzimmer auf Etage drei sind sogar noch etwas größer.“

Darauf die Frau: „Ich hatte ein bisschen Bedenken, weil es ja nur noch Einzelzimmer gibt.“ (eine Vorgabe der Landesheimbau-Verordnung, die Red.). Paaren, die zusammen einziehen wollten, wird später erklärt, dass sie ein Zimmer als gemeinsames Schlaf- und das andere als gemeinsames Wohnzimmer nutzen könnten.

Der Mann aus Palermo und die Eisdielen in Bretten

Schließlich die Szene, gut eine Dreiviertelstunde vor Beginn des Events. Dezent lugt ein gelber Ballon Am Gottesackertor um die Ecke. Die vielen weiteren sieht man erst beim Hineingehen in den Hof. Sie säumen die Rampe und zieren den Eingang als Girlande.

Bistrotische laden zu Austausch, Biertische und Bänke zum Verweilen ein. Eduard Glanz, künftiger Hausmeister, inspiziert den Grill. „Wir helfen hier und jetzt“ ist auf dem Saum der Pavillons zu lesen: Es ist der Leitspruch des ASB.

Und auf einer der Bänke sitzt alleine ein Mann, den Rücken an den Tisch gelehnt, Rollator daneben geparkt. Es ist 8:45 Uhr und der Mann stellt sich vor: vor 83 Jahren in Palermo geboren, mit 23, am 13. Juni 1959, nach Karlsruhe gekommen. Francesco Giuliano, in Bretten als Betreiber einer Eisdiele an der Weinshofer Straße bekannt.

Bei einem Heimatbesuch trifft er, folgenreich, auf eine „junge Näherin“. Sie schenkt ihm drei Kinder, stemmt mit ihm die Gastronomie, ein Lebenswerk der Beiden. „Da oben ist unser Balkon“, sagt er und zeigt auf die Seniorenwohnungen, die das Neubau-Ensemble als dritten Baukörper ergänzen.

„Unser Sonnenschirm war auf dem Foto zu sehen, in der Zeitung“, schmunzelt er. „Zehn Pfennig kostete eine Kugel Eis, als wir am 8. September 1962 eröffneten“, sagt Giuliano, der noch weiß: „Richtiges Eis wird gekocht“.

Heute begnügen er und seine Frau sich mit Ware aus der Tiefkühl-Truhe. Sein Sohn kommt hinzu und berichtet: Eine Schwiegertochter der Giulianos unterrichtet Pflege an den Beruflichen Schulen, dem Nachbarn des ASB gleich gegenüber. 

Palermo, Karlsruhe, Bretten – beinahe unsichtbar spinnen sich Fäden in alle Himmelsrichtungen. Als die Leiterin der Tagespflege Antje Scheunemann, die aus dem Erzgebirge / Sachsen stammt, einer Besucherin auf eine Frage antwortet, schließt sich der Kreis, der am Morgen mit dem Mann aus Palermo begann.

Was denn Ziele von Ausflügen für die Tagesgäste sein könnten, wird sie gefragt. Man werde mit den Tagesgästen in den Zoo von Bretten gehen, sagt sie: „Und in die Eisdiele!“ Die von Nachbar Giuliano hieß „Milano“, die nächstgelegene in der Altstadt heute heißt „Capri“. 

Portrait, Ansprechpartner und Leistungen: ASB-Seniorenresidenz Bretten am Saalbach

Zu unseren Fotos.
1 | Auftakt mit Kaiserwetter und Kaisertuba: Im Gold-Messing dieses Instruments der Stadtkapelle, auch B-Tuba genannt, spiegeln sich der Neubau des ASB, ein Pavillon und der wolkenarme Sommerhimmel.
2 | Zuspruch für ein citynahes Objekt: Mehr als 500 Menschen aus Bretten und allen Himmelrichtungen nutzten den ersten Tag der offenen Tür zu einem Kennenlernen von Seniorenresidenz und Tagespflege.
3 | Erkundungstour mit Fachpersonal: Natascha Siegler (schwarzes Kleid), Pflegedienstleiterin der ASB-Seniorenresidenz Bretten am Saalbach, beantwortete die Fragen von Senioren und pflegenden Angehörigen.
4 | Reaktion auf die große Resonanz: Um mehr Interessenten das Haus zeigen zu können als geplant, gab es kurzfristig weitere Führungen. Hier schaut Kurt Stahl, Leiter ASB-Josefshaus in Ubstadt, in die Kamera.
5 | Klangvoll untermaltes Fest: Goldrichtig lag die Stadtkapelle Bretten bei den Besuchern mit ihrer Auswahl an schwungvollen Instrumentals – ob Udo Jürgens-Medley oder Klassikern wie Bugs Bunny und Brazil.
6 | Erster Test des Wir-Gefühls: Der Hausmeister der Anlage kümmerte sich noch vor Dienstantritt freiwillig ums Grillgut. Auch für die neue Kollegin aus der Pflege war der ASB-Auftakt in Bretten eine Art Feuertaufe. 
7 | Apfelkuchen, „solange der Vorrat reicht“: So warb der ASB Karlsruhe unter Familien aus der Region für das Event – im Bild zwei der insgesamt 18 Bleche, die beim Tag der offenen Tür in Bretten ausgegeben wurden.
8 | Girlanden in Gelb: Beim „Fest für Jung und Alt“ erschlossen sich zahlreiche Brettener die neue Adresse in der City. Das sommerliche Bild an der Wilhelmstraße / Ecke Gottesackertor prägten Luftballons und Pavillons.