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Christine Kessler wirbt für die Nachtpflege: „Bedarf ist da, Chance muss noch erkannt werden“

Christine Kessler arbeitet für den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) in Karlsruhe. Sie ist unterwegs zu Arztpraxen, Krankenhäusern und Infostellen. Das Ziel der Pflegedienstleiterin des ASB Karlsruhe: Sie will den Fachleuten „ins Bewusstsein bringen, wie der neue Service des ASB Familien entlasten kann."

Christine Kessler weiter: „Tut der pflegebedürftige Partner, Vater oder die Mutter sich schwer, nachts zur Ruhe zu kommen, und zehrt das bei der pflegenden Person an den Nerven, verschafft unsere Nachtpflege, die eine der ersten in Baden-Württemberg ist, in der Zeit Erleichterung.“ Wie, das erläutert sie so: „Wir nehmen Pflegebedürftige mit unruhigem Schlaf-Wach-Rhythmus als Nachtgäste auf.“

Die verbringen die Zeit zwischen 18 Uhr abends und 7 Uhr morgens unter professioneller Aufsicht in besonders gestalteten Räumen an der Pfinz. „Und die pflegende Person daheim kann durchatmen, bestenfalls durchschlafen“, so Kessler.

„Der Bedarf ist da“, urteilt die Pflegedienstleiterin: „Nur die Chance muss noch erkannt werden.“ Klar habe der ein oder andere zunächst ein schlechtes Gewissen, sich das Ausruhen zuzugestehen, „wo doch der Partner von Demenz betroffen ist.“ Doch viele sorgten sich zu Recht, wie sie die Situation managen, ihre Kräfte beisammen halten sollen.

Pflegekasse zahlt zusätzlich zu ambulanter Pflege und Pflegegeld

„Hier setzen wir an, in der Lücke zwischen ambulanter Pflege und Pflegeheim“, wie Patrick Scholder, Leiter Soziale Dienste beim ASB Karlsruhe, sagt. Für ihn reiht sich das vom Land geförderte Projekt in die Palette innovativer Pflegemodelle. Er betont: „Die Pflegekasse zahlt die Nächte zusätzlich zu ambulanter Pflege und Pflegegeld – gut zu wissen.“

Betroffene bewerten das Angebot positiv. Petra Hollinger etwa, am Ort als aktives Mitglied der Bürgergemeinschaft Durlach und Aue bekannt, macht sich im Netzwerk Pflegebegleitung stark, das der ASB Karlsruhe personell und logistisch unterstützt. Das neue Angebot sei „sehr hilfreich und praktisch“, findet die Pflegebegleiterin.

Die Initiatoren des Netzwerks Fabian Manske und Dorothea Samuelis-Kadolsky urteilen ähnlich: „Die Nachtpflege ist ein weiterer Baustein, der Betroffenen hilft, Schweres leichter zu machen, wie es das Ziel von uns Pflegebegleitern ist“.

Alle sollen von dem entlastenden Angebot erfahren

Um in Karlsruhe und besonders in und um Durlach für die Nachtpflege zu werben, geht ASB-Pflegefachfrau Christine Kessler bis Pfingsten auf Tour. Bei den Pflegebegleitern machte sie bereits Station, am 16. Mai im „Café Auszeit“, dem ASB-eigenen Veranstaltungsformat. Wer zu Hause einen Angehörigen pflegt, erfährt hier Rückhalt, ein offenes Ohr und hilfreiche Tipps für den Pflegealltag.

Christine Kessler informiert derzeit die Hausarzt-Praxen in Durlach, Neurologen dort und in der Oststadt folgen. Sie geht auf die Sozialdienste der Karlsruher Kliniken und auch die Pflegeberater der Kassen zu. Pflegestützpunkte sind dann die weiteren Adressen: „Wir möchten“, so Kessler, „dass alle von der Möglichkeit erfahren.“

Flyer erklärt Anspruch auf Nachtpflege und Ablauf

„Gut versorgt! Die Nachtpflege beim ASB Karlsruhe“ lautet der Titel einer Publikation, die soeben erschienen ist. Der neue ASB-Flyer erklärt den Anspruch auf Nachtpflege laut Sozialgesetzbuch (SGB XI) und geht auf Fragen ein, die sich betroffene Familien typischer Weise stellen: Wie viele Nächte deckt die Kasse je nach Pflegegrad ab? Wer kümmert sich um die Nachtgäste? Und wie wird die Nacht gestaltet?

Wie Christine Kessler am Rande berichtet, sah man sich beim Erstellen der Publikation vor eine Herausforderung gestellt: Wie erstellt man Bilder von einem Angebot, das es erst in der Zukunft gibt? Mit Hilfe eines Gasts der Tagespflege, habe man das „wunderbar gelöst, so Christine Kessler: „Die Dame war sofort bereit, unser Testimonial zu sein, wie es ja Neudeutsch heißt.“ Die 91-Jährige, seit drei Jahren zufriedener Tagesgast an der Pfinz und zufriedene Kundin auch des ASB-Hausnotrufs, begeisterte mit ihrem natürlichen Lächeln.

Zu unserem Bild:
Überzeugt vom Angebot: „Der Bedarf ist da, die Chance muss erkannt werden“, sagt die Leiterin der ASB-Nachtpflege an der Pfinz in Durlach. Mit einem Stapel Flyer unterm Arm geht Christine Kessler zu Arztpraxen, Krankenhäusern und Infostellen.