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Kunst leben und das Leben „rocken“ – auch im Alter: ASB-Seniorenresidenz am Ostring feierte 10-Jähriges

„Wenn man das Lachen von den Bewohnern zurückbekommt, weiß man: Man hat seine Arbeit gut gemacht“, sagt Tamara Johann. Vor 10 Jahren begann sie als Pflegefachkraft in der Seniorenresidenz. Das Haus des ASB, das für eine engagierte Kunsttherapie steht, feierte Geburtstag.

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Und die Geburtstagstorte hat die Hauswirtschaftshelferin Emilia Nita gezaubert. An der Rintheimer Str. 86b sorgt sie mit für das Wohl von mehr als 60 Bewohnern. Pavillon und Tische dekoriert, dazu Kuchen, frische Getränke und Musik, die Sonne scheint – was unterscheidet die Feier an diesem Freitag (6. Juli) eigentlich von einer Familienfeier? Nur wenig, könnte man sagen. 

Und doch: Hier geht es um Menschen, bei denen die Kraft im Alter nachgelassen hat. Menschen, die vom Arzt verschriebene Medikamente brauchen, wie sie die Pflegekräfte auf den Stationen zur selben Stunde für den Abend richten.

Menschen, die an Demenz erkrankt sind und deren Sinne findige Helfer stets aufs Neue anzuregen versuchen. Menschen, die teils jenseits der 90 sind, einer zählt 103 Jahre. Im Eingang trägt eine kleine Tafel mit tröstendem Spruch den Namen einer Bewohnerin und das Datum besagt, dass hier im Haus vor wenigen Tagen gerade ein Leben zum Ende gekommen ist.

Eine Feier für das Leben

Es sind auch diese Gegensätze, von denen die Seniorenresidenz am Ostring lebt. Tamara Johann hat zur Feier der Senioren ihr Baby mitgebracht. Babypause? Für sie kein Grund, sich die Feier zum 10-Jährigen entgehen zu lassen. „Hier geht es familiär zu“, das komme ihr vom Typ her entgegen, sagt die Pflegefachkraft des Arbeiter-Samariter-Bunds und erklärt: „Es macht Freude, den Leuten zu helfen. Und es ist schön, das Vertrauen der Angehörigen zu spüren, wenn etwas zu regeln ist, wo unsere Kompetenz gefragt und hilfreich ist.“

Als Angelika Moßgraber, die Heimleiterin, sie auf die Bühne bittet, strahlt Tamara Johann. Wie zwei weiteren Kolleginnen, die bereits seit Eröffnen im Juli 2008 dabei sind, erhält sie Aufmerksamkeiten aus der Hand von ASB-Regionalgeschäftsführer Dr. Andreas Bröker. Ein Foto wird gemacht, Tamara Johann, die junge Mutter gibt ihren Nachwuchs so lange in die Arme einer Kollegin. Die ist hier ehrenamtliche Betreuungskraft. Demenz und Kunst? Das ist kein Gegensatzpaar, wie Beate Velimvassakis bei einem Gang durchs Haus deutlich macht.

Farbenfrohe Kunst in hellen Räumen

„Die Leiterin der Kunsttherapie“, berichtet sie, „hat zum Beispiel Wollknäuel auf den Tisch gelegt und die Gruppe hat sich die Fäden gegenseitig zugeworfen.“ Man habe mit Buntstiften die Linien nachgezeichnet und die Felder dazwischen später mit Aquarellkreide ausgemalt. „Eine solch einfache Idee und eine solche Ausdruckskraft“, so Velimvassakis begeistert.

In allen Räumen und Fluren, die zu den Zimmern führen, hängt museumsreife Kunst. Mal sind Jahreszeiten wie von Paul Klee als bunte Würfel inszeniert, mal die Blätter einer Buche mit Wachsmalkreide farbig nachgearbeitet – und meist ist es ein Gemeinschaftsprojekt. „Genauso die Fenster-Deko, die haben die Bewohner selbst gefertigt“, sagt Velimvassakis und zeigt auf die Blüten auf der großen Scheibe im ersten Stock. Manches Werk lagere im Depot, so viel sei über die Zeit entstanden. Durch das Fenster zum Hof ist zu sehen, dass unten nun Roland Krüger seinen Auftritt hat.

Krüger unterstützt die Bewohner am Ostring als Betreuungskraft. Mit Bart-Make-Up und weißem Sonnenhut ist er in die Rolle des Chansonniers geschlüpft. Er hüpft von der Bühne. Die Gitarre für seine Karaoke-Nummer locker in der Hand, tanzt er auf die Tische zu und verschenkt ein südländisches Lächeln. Krügers Begleiter am E-Piano dreht auf.

Zuspruch und Zufriedenheit, die erfreuen

Unter dem Schatten spendenden Pavillon schunkelt das überwiegend weibliche Publikum auf Stühlen im Takt. „10 Jahre rockt der ASB“ hat das Festkomitee auf die Wand der Bühne geschrieben. Noch vor einer Stunde hob hier Dr. Andreas Bröker, Geschäftsführer des ASB e.V. Region Karlsruhe, in seiner kurzen Ansprache diejenigen hervor, um die es geht:

„Neben allen, die in und an unserem Haus am Ostring mitwirken: Mein größter Dank gilt ihnen, denn Sie stehen hier im Zentrum“, sagte er an die Bewohner und Bewohnerinnen gerichtet. Bei Kaffee und einem Stück Geburtstagstorte kommt er mit einigen ins Gespräch: „Es gibt viel Zuspruch und Zufriedenheit und das freut mich für die Bewohnerschaft, aber auch für uns, für das Mitarbeiterteam, für den ASB insgesamt.“

Zu unseren Fotos:

01 | Auf der Bühne: Drei Kolleginnen ehrte Angelika Moßgraber (mit Mikro), Leiterin der ASB-Senioren­residenz, bei der Feier am Freitag als „10-Jährige“ – v.l.: Conny Grether (Küche), Pflegefachkraft Tamara Johann und Pflegehelferin Adina Wünsch-Matei. 

02 | Mit im Rampenlicht: Monika Männer-Hahne lebt bereits seit 2008 in der ASB-Seniorenresidenz Am Ostring. Das Foto zeigt sie bei der Feier am Freitag mit ihrer Tochter (r.) und Angelika Moßgraber, der Leiterin des Hauses, hier von einem Gratulanten (nicht zu sehen) abgelenkt. 

03 | Feier im Hof: Für das 10-Jährige hatte das Team der ASB-Seniorenresidenz Am Ostring die Terrasse herausgeputzt. Die Bewohner genossen die Torte, Kaffee, Sekt, Musik – ein herrlicher Sommertag. 

04 | Kunst als Projekt: Besucher des Fests konnten sich bei einem Rundgang von der Kunstfertigkeit der Bewohner überzeugen. Bilder hellen die Licht durchfluteten Räume der ASB-Seniorenresidenz Am Ostring zusätzlich auf.