Baden-Württemberg e.V. Region Karlsruhe

Aktuelles

Da sein in schweren Momenten des Lebens: ASB-Ehrenamtliche stellen Projekte vor

Wünschewagen, Netzwerk Pflegebegleitung und Letzte Hilfe: Das stellen Karlsruher, die sich im ASB e.V. Region Karlsruhe engagieren, nun auf dem „Markt der Möglichkeiten“ vor – am Sonntag (16.9.) vor dem Rathaus Durlach ab 13 Uhr.

Bildergalerie

Wer in der letzten Lebensphase, obwohl schwer krank, einen geliebten Ort oder Menschen aufsuchen will, für den ist der ASB-Wünschewagen mit freiwilligen Helfern in der Region da.

Für Menschen, die zuhause Angehörige pflegen, haben die ehrenamtlichen Pflegebegleiter des ASB Karlsruhe ein offenes Ohr und Tipps, um den Alltag zu erleichtern.

Spezielle Kurse in „Letzter Hilfe“, so der noch neue Begriff, vermitteln Laien das Wissen, um schwerstkranke und sterbende Menschen umsorgen und von ihnen Abschied nehmen zu können.

„Wer bei Arbeiter-Samariter-Bund an Erste Hilfe denkt, liegt weiterhin richtig“, so Regionalgeschäftsführer Dr. Andreas Bröker: „Damit sind wir groß geworden. Genauso ist die ASB-Kompetenz für Hilfe hier und jetzt in anderen schweren Momenten des Lebens da.“

Aus Sicht von Christoph Nießner ist es wichtig, dass die ASB-Freiwilligen auch Gelegenheit bekommen, auf ihre ambitionierte Arbeit aufmerksam zu machen und Kontakte zu knüpfen. Als Vorsitzender des ASB e.V. Region Karlsruhe übt Nießner selbst ein Ehrenamt aus. „Dass in Durlach der Marktplatz offen steht, um inmitten von Weinfest, verkaufsoffenem Sonntag und den regionalen Köstlichkeiten aus dem SWR 1-Pfännle Passanten für unsere Projekte anzusprechen, finde ich großartig.“

Carsten Schmidt, Ehrenamtskoordinator für den Sanitäts­dienst, die Drohnenstaffel oder das Besuchshunde-Team, fügt hinzu: „In unseren Teams ist jeder willkommen, der Freude daran hat, Anderen zu helfen, und sich mit seinen Talenten einbringen will.“ Schmidt ist Erster Stellvertretender Vorsitzender des ASB Karlsruhe.

Helfen, Schweres leichter zu machen

Im Kern der Arbeit von Fabian Manske beim ASB Karlsruhe steht sinnbildlich ein Sofa. Alle vier Wochen nehmen darauf Menschen Platz, die daheim einen Angehörigen pflegen und sich einmal aussprechen möchten. Oder sie suchen Tipps für das Ausfüllen von Formularen und den Kontakt zu den Ämtern.

Eingeladen vom Netzwerk Pflegebegleitung, das Manske koordiniert, treffen sie im „Café Auszeit“ – so der Name dieses Veranstaltungsformats – auf andere Pflegende sowie auf die geschulten Zuhörer des ASB. „Diese Art von Beistand ist unsere Stärke“, sagt Manskes Mitstreiterin Dorothea Samuelis-Kadolsky.

Betroffene, sagt sie, müssten sich erst eingestehen, dass ihnen der – im Übrigen kostenlose – Beistand auch zusteht. Doch sei der Knoten erst geplatzt, komme vieles Gutes in Gang. „Für uns Begleiter ist es schön, das zu sehen“, so Samuelis-Kadolsky.

Das in diesem Herbst neu aufgestellte Netzwerk Pflegebegleitung sei, fokussiert auf den Stadtteil Durlach, „offen für Mitwirkende, die es verstehen, Schweres leichter zu machen.“ Die Karlsruherin verfügt, wie die anderen langjährig engagierten guten Geister, über eigene Pflegeerfahrung.

Martina Bullmann, geübt im Vermitteln von Erste-Hilfe-Wissen beim ASB, stellt sich mit einem weiteren Lebensthema auf den „Markt der Möglichkeiten“. Die Frage, die sie umtreibt: Wie reiche ich jemandem, der an seinem Lebensende steht, mutig und beherzt die Hand?

Mit diesem Impuls beschloss sie: „Ich mache mich schlau.“ Sie nahm an einem Kurs teil, bei einer Hilfsorganisation, die das nach eigenen Angaben als erste in Deutschland anbietet. Welche das sei? Bullmann strahlt: „Der ASB! Der Bundesverband in Köln hat uns in Letzter Hilfe schlau gemacht, als Multiplikatoren geben wir dieses Wissen kompakt an Laien weiter.“

„Jeder sollte Erste Hilfe und Letzte Hilfe können“

Erfunden hat diese Kurse laut ASB-Mitglieder-Magazin von Februar ein Palliativmediziner aus Schleswig: Dr. Georg Bollig, Erste-Hilfe-Ausbilder und Notarzt im Rettungsdienst. Wer die Kurse besuche, so Bollig im ASB-Interview, verringere bestenfalls die eigene Angst vor dem Sterben und empfinde den Umgang damit „als weniger bedrohlich“.

Geht es nach ihm, „sollte jeder Erste Hilfe und Letzte Hilfe können“. Dazu gehört, wie Martina Bullmann in Karlsruhe erklärt, „mit praktischen Maßnahmen das Leiden zu lindern“.

Den Themen Tod und Sterben hat sich die Karlsruherin Heike Halfmann ebenfalls offen gestellt. Sie wirkt im Team vom Wünschewagen mit, den die Projektleiterin Tina Schönleber vom ASB Mannheim/Rhein-Neckar für die Region koordiniert.

„Wir sind offen für Freiwillige, die“, so Schönleber, „idealerweise fachliche Vorkenntnisse haben: im Rettungsdienst, bei der Feuerwehr, in der Kranken- oder Altenpflege oder als Arzt oder Ärztin. Diese schulen wir als Begleiter für die Wünschewagen-Fahrten.“ Drei davon habe man dank Spenden und Zeitspendern bereits allein in diesem Jahr für die Region Karlsruhe realisiert.

Heike Halfmann sagt, sie freue sich, im Team zu sein: „Zu erfahren, was es Anderen gibt, wenn ich mich einsetze, macht mich glücklich und bereichert mein eigenes Leben.“ Auf den Wünschewagen selbst angesprochen sagt sie: „Ich finde es toll, dass es diesen besonderen Krankentransportwagen gibt, der Menschen in ihrer letzten Lebensphase dahin fährt, wo sie aus eigener Kraft kaum mehr hinkämen.“

Erreichbarkeit für Anfragen zur Mithilfe

Ein Anruf unter 0721 / 49008-0 genügt, um zu erfahren, wo Zeitspender und tatkräftige Mithilfe gefragt sind. Ebenso freut sich der ASB über eine Mail mit dem Betreff „Mitmachen“ an info(at)asb-ka.de.

Wer an der freiwilligen Arbeit des ASB-Wünschewagen interessiert ist oder helfen möchte, weitere Unterstützer zu gewinnen, kann sich unter Tel. 0621 / 72 707 44 oder per Mail an wuenschewagen(at)asb-rhein-neckar.de direkt an das Projekt-Team wenden.

Zu unseren Fotos:
1 | Krankentransport in freundlichem Gewand: Am Sonntag (16.9.) ist der ASB-Wünschewagen beim „Markt der Möglichkeiten“ in Durlach zu sehen – vor dem Rathaus, das sich hier im Fenster spiegelt.
2 | Im Austausch mit Unterstützern: Tina Schönleber vom ASB-Wünschewagen-Team weiß den Zuspruch für das Samariter-Projekt sehr zu schätzen – wie hier bei einer Spendenübergabe kürzlich in Obergrombach / Bruchsal.